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20.01.2012, 13:32 Uhr
Das Chritsliche Menschenbild in der CDU
Ist es für die politische Argumentation geeignet?
„Hören Sie endlich auf, in der CDU vom ‚christlichen Menschenbild’
zu reden, wenn kaum jemand noch erklären kann, was darunter zu
verstehen ist.“
Dieser Satz wurde gesprochen in einer Diskussion über Familien, Ehe und gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Er hat mich, dem Unterzeichner und seit 37 Jahre CDU Mitglied, aufhorchen lassen.
Ist ein solcher Einwand berechtigt?
zu reden, wenn kaum jemand noch erklären kann, was darunter zu
verstehen ist.“
Dieser Satz wurde gesprochen in einer Diskussion über Familien, Ehe und gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Er hat mich, dem Unterzeichner und seit 37 Jahre CDU Mitglied, aufhorchen lassen.
Ist ein solcher Einwand berechtigt?
Es ist nicht zu übersehen, dass sich in unserer Gesellschaft allgemein, so auch in unserer Mitgliedschaft, ein Verlust an christlichem Grundlagenwissen festzustellen ist. Die Folge ist, dass darunter die Sprach- und Argumentationsfähigkeit leidet. Sollen wir als CDU deswegen auf das „Christliches Menschenbild“ – einen unbestreitbar zentralen Grundsatzbegriff in der politischen Auseinandersetzung - verzichten?
Das Gegenteil ist notwendig und unverzichtbar!
Von Anfang an und über heute hinaus bleibt „Die Politik der CDU beruht auf dem christlichen Verständnis vom Menschen und seiner Verantwortung vor Gott“ oder verkürzt gesagt: „Das Christliche Menschenbild“ unverändert wegweisend. Hierauf gründen sich die Wertegrundlagen der Christlich Demokratischen Union. Seit Gründung der CDU wird immer wieder kritisch gefragt, ob der Begriff „Christliches Menschenbild“ in der politischen Auseinandersetzung brauchbar oder ob er nur ein Papierprodukt ist.
Dazu hat Albrecht Martin, seinerzeit Bundesvorsitzender des EAK, folgenden Thesen als Argumentationshilfe für die politische Diskussion erarbeitet, die im Jahre 2012 nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben und immer wieder ins Bewusstsein zu rufen sind. Sie lauten:
■ Der Mensch ist mit der ganzen Schöpfung von Gott erschaffen - er ist
auf diese Schöpfung angewiesen und auf sie hingewiesen.
■ Der Mensch ist von Gott in die Verantwortung gerufen - darin beruht der
Wert und die besondere Würde allen menschlichen Lebens.
■ Der Mensch lebt im Vertrauen auf Gott auf eine Zukunft hin - er hält
deshalb nicht starr an Altem fest, sondern öffnet sich verantwortlich dem
Neuen.
■ Der Mensch ist auf Gemeinschaft mit Menschen hin geschaffen - er trägt
daher auch Verantwortung für die anderen
■■■ in den Gemeinschaften der Familie, der Gemeinde, des Volkes und
Staates, in der Gemeinschaft aller Menschen.
Der Mensch nimmt seine Verantwortung gegenüber den Mitmenschen und der Schöpfung wahr, indem er arbeitet. Das gilt nicht nur für die Erwerbsarbeit, sondern für alle Tätigkeit, die den Menschen und der Bewahrung der Schöpfung dient.
Der Mensch erfährt immer wieder, dass Leben und Menschenwürde bedroht werden – durch ihn selbst oder durch andere. Deshalb sind Ordnungen notwendig, die Schranken und zugleich Freiheit setzen, und Macht, die Ordnungen durchsetzt.
Der Mensch erfährt den Wert der eigenen Kultur, der eigenen Sprache, die ihm Heimat geben, und er erfährt zugleich die Fremdheit der anderen Kulturen. Daraus erwächst die Aufgabe, das Eigene zu bewahren und den Fremden zu achten. Unsere Verantwortung wird durch dessen Fremdheit nicht verringert.
Aus diesem Menschenbild ergeben sich die Grundwerte, die Voraussetzung und zugleich Ziel aller Politik sein sollen:
Freiheit - denn nur in Freiheit kann der Mensch verantwortlich
handeln handeln Menschenwürde bewahren.
Solidarität - denn nur in ihr bewährt sich die Verantwortung für Leben
und Würde der Mitmenschen.
Gerechtigkeit – denn nur wo sie herrscht, können Freiheit und Solidarität
sich in Frieden entfalten und wirksam werden
Gerade von diesem biblischen Menschenbild her,
≈ wissen wir, dass wir die vollkommene Welt nicht schaffen können, ja,
dass wir mit jeder Lösung eines Problems neue Schwierigkeiten
hervorrufen, die uns erneut herausfordern.
≈ erkennen wir das Ziel und zugleich die Grenzen menschlicher
Möglichkeiten. Diese Fähigkeit unterscheidet verantwortlich handelnde
Politiker von den Ideologen.
Wo die vollkommene Welt verheißen wird, sterben Freiheit, Solidarität
und Gerechtigkeit
≈ Wo die Grenzen gesehen werden, kann man Irrtum und Schuld
eingestehen, aber es gibt auch immer die Chance des Neubeginns.
Ergänzend dazu bemerkt Albrecht Martin:
Es ist keineswegs selbstverständlich, dass eine Partei in der Regierungs-verantwortung ihre Kraft nicht in der Bewältigung der tagespolitischen Aufgaben erschöpft, sondern sich zutraut, Lösungsvorschläge für die großen Fragen unserer Zeit sehr bewusst von ihren geistigen Grundlagen her zu überprüfen.
Diese 1988 erarbeiteten Thesen geben uns auch heute und über 2012 hinaus ein hilfreiches Fundament für die Begründung der CDU – Positionen. Nur was nützen zu Papier gebrachte Positionen, wenn sie nicht fortwährend in Erinnerung gehalten werden.
Wenige Tage nach der eingangs erwähnten Diskussion erinnerte ein Aufsatz an einen der Briefe Goethes an seinen Freund Eckermann (zitiert in Politische Meinung Dez. 2011) in dem es heißt:
„Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum
um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von
einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien
auf Schulen und Universitäten ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm
wohl behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.“
In der Kommentierung schreibt der Verfasser dieses Aufsatzes dazu:
Goethe hat damit vorweg genommen, was die Altmeisterin der
deutschen Meinungsforschung, Elisabeth Noelle-Neumann die
„Schweigespirale“ genannt hat:
Weil die Menschen offensichtlich gerne „wohl und behaglich im
Gefühl der Majorität“ leben, halten wir lieber den Mund,
wenn wir uns als Minderheit entdecken.
Wir schweigen statt uns zu „outen“!
Damit aber gerät der „Irrtum“, wie Goethe sagt, noch mehr „obenauf“.
Schöpfen wir Mut, im Sinne Goethes immer wieder das Wahre zu suchen, Tragen wir durch unser Bekenntnis und durch ständige Wiederholungen zur Klarheit unserer CDU Positionen bei und lassen Irrtümer nicht „obenauf“ erscheinen. Demonstrieren wir, dass das „Christliche Menschenbild“ ein durchaus brauchbarer Begriff in der politischen Auseinandersetzung ist.
Das Gegenteil ist notwendig und unverzichtbar!
Von Anfang an und über heute hinaus bleibt „Die Politik der CDU beruht auf dem christlichen Verständnis vom Menschen und seiner Verantwortung vor Gott“ oder verkürzt gesagt: „Das Christliche Menschenbild“ unverändert wegweisend. Hierauf gründen sich die Wertegrundlagen der Christlich Demokratischen Union. Seit Gründung der CDU wird immer wieder kritisch gefragt, ob der Begriff „Christliches Menschenbild“ in der politischen Auseinandersetzung brauchbar oder ob er nur ein Papierprodukt ist.
Nicht zuletzt aus diesem Grund hat sich 1988 ein Bundesparteitag der CDU der bemerkenswerten Aufgabe gestellt, Leitsätze herauszuarbeiten und aufzuzeigen, worin der politische Nutzen des Begriffs "Christliches Menschenbild" liegt und wie es für jedermann einleuchtend zu begründen ist und wie es für jedermann einleuchtend zu begründen ist.
Was ist das „Christliche Menschenbild“ und was ist darunter zu verstehen?Dazu hat Albrecht Martin, seinerzeit Bundesvorsitzender des EAK, folgenden Thesen als Argumentationshilfe für die politische Diskussion erarbeitet, die im Jahre 2012 nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben und immer wieder ins Bewusstsein zu rufen sind. Sie lauten:
■ Der Mensch ist mit der ganzen Schöpfung von Gott erschaffen - er ist
auf diese Schöpfung angewiesen und auf sie hingewiesen.
■ Der Mensch ist von Gott in die Verantwortung gerufen - darin beruht der
Wert und die besondere Würde allen menschlichen Lebens.
■ Der Mensch lebt im Vertrauen auf Gott auf eine Zukunft hin - er hält
deshalb nicht starr an Altem fest, sondern öffnet sich verantwortlich dem
Neuen.
■ Der Mensch ist auf Gemeinschaft mit Menschen hin geschaffen - er trägt
daher auch Verantwortung für die anderen
■■■ in den Gemeinschaften der Familie, der Gemeinde, des Volkes und
Staates, in der Gemeinschaft aller Menschen.
Der Mensch nimmt seine Verantwortung gegenüber den Mitmenschen und der Schöpfung wahr, indem er arbeitet. Das gilt nicht nur für die Erwerbsarbeit, sondern für alle Tätigkeit, die den Menschen und der Bewahrung der Schöpfung dient.
Der Mensch erfährt immer wieder, dass Leben und Menschenwürde bedroht werden – durch ihn selbst oder durch andere. Deshalb sind Ordnungen notwendig, die Schranken und zugleich Freiheit setzen, und Macht, die Ordnungen durchsetzt.
Der Mensch erfährt den Wert der eigenen Kultur, der eigenen Sprache, die ihm Heimat geben, und er erfährt zugleich die Fremdheit der anderen Kulturen. Daraus erwächst die Aufgabe, das Eigene zu bewahren und den Fremden zu achten. Unsere Verantwortung wird durch dessen Fremdheit nicht verringert.
Aus diesem Menschenbild ergeben sich die Grundwerte, die Voraussetzung und zugleich Ziel aller Politik sein sollen:
Freiheit - denn nur in Freiheit kann der Mensch verantwortlich
handeln handeln Menschenwürde bewahren.
Solidarität - denn nur in ihr bewährt sich die Verantwortung für Leben
und Würde der Mitmenschen.
Gerechtigkeit – denn nur wo sie herrscht, können Freiheit und Solidarität
sich in Frieden entfalten und wirksam werden
Gerade von diesem biblischen Menschenbild her,
≈ wissen wir, dass wir die vollkommene Welt nicht schaffen können, ja,
dass wir mit jeder Lösung eines Problems neue Schwierigkeiten
hervorrufen, die uns erneut herausfordern.
≈ erkennen wir das Ziel und zugleich die Grenzen menschlicher
Möglichkeiten. Diese Fähigkeit unterscheidet verantwortlich handelnde
Politiker von den Ideologen.
Wo die vollkommene Welt verheißen wird, sterben Freiheit, Solidarität
und Gerechtigkeit
≈ Wo die Grenzen gesehen werden, kann man Irrtum und Schuld
eingestehen, aber es gibt auch immer die Chance des Neubeginns.
Ergänzend dazu bemerkt Albrecht Martin:
Es ist keineswegs selbstverständlich, dass eine Partei in der Regierungs-verantwortung ihre Kraft nicht in der Bewältigung der tagespolitischen Aufgaben erschöpft, sondern sich zutraut, Lösungsvorschläge für die großen Fragen unserer Zeit sehr bewusst von ihren geistigen Grundlagen her zu überprüfen.
Diese 1988 erarbeiteten Thesen geben uns auch heute und über 2012 hinaus ein hilfreiches Fundament für die Begründung der CDU – Positionen. Nur was nützen zu Papier gebrachte Positionen, wenn sie nicht fortwährend in Erinnerung gehalten werden.
Wenige Tage nach der eingangs erwähnten Diskussion erinnerte ein Aufsatz an einen der Briefe Goethes an seinen Freund Eckermann (zitiert in Politische Meinung Dez. 2011) in dem es heißt:
„Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum
um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von
einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien
auf Schulen und Universitäten ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm
wohl behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.“
In der Kommentierung schreibt der Verfasser dieses Aufsatzes dazu:
Goethe hat damit vorweg genommen, was die Altmeisterin der
deutschen Meinungsforschung, Elisabeth Noelle-Neumann die
„Schweigespirale“ genannt hat:
Weil die Menschen offensichtlich gerne „wohl und behaglich im
Gefühl der Majorität“ leben, halten wir lieber den Mund,
wenn wir uns als Minderheit entdecken.
Wir schweigen statt uns zu „outen“!
Damit aber gerät der „Irrtum“, wie Goethe sagt, noch mehr „obenauf“.
Schöpfen wir Mut, im Sinne Goethes immer wieder das Wahre zu suchen, Tragen wir durch unser Bekenntnis und durch ständige Wiederholungen zur Klarheit unserer CDU Positionen bei und lassen Irrtümer nicht „obenauf“ erscheinen. Demonstrieren wir, dass das „Christliche Menschenbild“ ein durchaus brauchbarer Begriff in der politischen Auseinandersetzung ist.
aktualisiert von Hans Bleckmann, 20.01.2012, 16:17 Uhr

